Holzen
Geschichte
Vorgeschichte
Auf den zum Gut Steinhausen gehörenden Ländereien sind Spuren einer eiszeitlichen Siedlung gefunden worden.
Sachsenkriege
772 beginnt Karl der Große seinen Feldzug gegen die Sachsen, wie in den „Annales Regni Francorum“ festgehalten. Über Jahrzehnte wird in Sachsen (unser heutiges Westfalen) gekämpft, der Krieg mit großer Brutalität geführt. Die Reichsannalen berichten von der Eroberung der Eresburg und der Zerstörung der Irminsul im sächsischen Engern. Am Ende ist Sachsen ein Teil des Frankenreiches, sind die Sachsen (zumindest oberflächlich) missioniert und christianisiert, und am Ende des 9. Jahrhunderts bezeichnet ein Paderborner Domkleriker Karl den Großen gar als „Apostel der Sachsen“.
| 1250 Jahre Westfalen – 775 begann Karl der Große seinen Feldzug gegen die Sachsen. Ein wichtiges Ereignis war die Eroberung der Syburg im späteren Reichshof Westhofen. Der Krieg hatte nicht nur politische, sondern vor allem religiöse Ziele: Karl der Große wollte die heidnischen Sachsen zum christlichen Glauben bekehren. Nach langen Kämpfen ergab sich Widukind schließlich und ließ sich taufen. Der Überlieferung nach schenkte ihm Karl der Große als Zeichen des Friedens und der Anerkennung einen weißen Schimmel. Dieses Tier wurde später zum Symbol Westfalens – es bildet den rechten Teil des nordrhein-westfälischen Landeswappens und steht bis heute für die Identität und Geschichte Westfalens. |
775 erscheint in den mittelalterlichen Quellen zu den Kämpfen Karls des Großen erstmals der Name der Westfalen als (westlicher) Teil des sächsischen Stammesverbands. An die westfälische Heerschaft schließen sich nach Osten hin, beiderseits der Weser bis zur oberen Lippe, die Engern an. Die drei Heerschaften der Westfalen, Engern und Ostfalen machen die Sachsen des frühen Mittelalters aus.
778 kommt es unter Führung des (wohl westfälischen) Adligen Widukind (auch Wittekind genannt) zu einer Gegenreaktion der Sachsen, in deren Folge die Paderborner Karlsburg zerstört wird und die bald ins fränkische Rheinland ausgreift. Nach der Niederlage bei Bocholt (779) müssen sich aber die Westfalen dem Frankenkönig Karl unterwerfen, die anderen sächsischen Teilstämme folgen, nur Widukind behält seinen Widerstand bei. Während das westliche Sachsen ruhig bleibt, hält Karl der Große 785 in Paderborn einen Reichstag ab und verfolgt Widukind bis zur Elbe. Widukind wird zur Aufgabe veranlasst und in der Pfalz Attigny getauft.
799 am Markustag (25.04.799) bricht in Rom gegen Papst Leo III (regierte 795–816) ein Aufstand aus. Der Papst wird misshandelt und für abgesetzt erklärt. Leo begibt sich unter fränkischen Schutz und erreicht in Begleitung von Bischöfen und Klerikern in der 2. Julihälfte Paderborn, wo er auf den Frankenkönig Karl trifft. Es kommt zu Verhandlungen um die Wiedereinsetzung des Papstes und um die Kaiserkrönung Karls, die dann Weihnachten 800 in Rom vollzogen wird. 805 ernennt Karl den friesischen Missionar Liudger, der 799 das Kloster Werden an der Ruhr gegründet hat, zum ersten Bischof vom Münster, 806 den an der Würzburger Domschule ausgebildeten Sachsen Hathumar zum ersten Bischof von Paderborn (im Amt 806–815). Damit ist die letzte Etappe der Bistumserrichtung vollzogen.
809 stirbt Liudger auf einer Seelsorge- und Predigtreise durch sein Bistum in Billerbeck. Sein Leichnam wird in Münster aufgebahrt, doch dann – dem Wunsch des Missionars entsprechend und auf Befehl Kaiser Karls des Großen, wie es in der ältesten Liudgervita heißt – ins Kloster Werden gebracht und dort begraben. Dort wird Liudger alsbald als Heiliger verehrt. Die ihm nachfolgenden Münsteraner Bischöfe Gerfrid (regierte 809–839) und Altfrid (regierte 839–849) entstammen der Familie Liudgers.
| Dass Dortmund aber älter ist, ergibt sich daraus, dass wohl schon zur Zeit Karls des Großen und der Sachsenkriege (772–804) dieser Kreuzungspunkt zwischen Hellweg und einer Nord-Süd-Straße durch einen befestigten Königshof gesichert wird. In ottonisch-salischer Zeit gab es eine Dortmunder Königspfalz als Zentrum eines westfälischen Reichsgutkomplexes. Zahlreiche Aufenthalte deutscher Herrscher sind im 10. und 11. Jahrhundert bezeugt. Dortmund besteht aus der Pfalz, dem Königshof und einer stadtähnlichen Siedlung. |
Urbare des Klosters Werden
Zur Erfassung und Verwaltung des Klosterbesitzes dienten die lateinisch verfassten Urbare. Der älteste Urbar des Klosters Werden ist um 900 entstanden; in ihm wird um das Jahr 882 Dortmund zum ersten Mal genannt. Dort und an anderen Orten im Boruktuariergau (Brukterergau) besitzt die Mönchsgemeinschaft Einkünfte, Güter und Rechte, die zusammen mit den auf Werdener Besitz lebenden abhängigen Bauern die frühmittelalterliche Grundherrschaft des Klosters in und um Dortmund ausmachen.
Holzens Gründung und Ersterwähnung
Holzen bei Schwerte wird gem. Reininghaus wie die allermeisten Orte dieses Namens im 9. oder 10. Jahrhundert entstanden sein. Bereits 927 soll Holzen gem. Schmidt erwähnt worden sein; gem. Reininghaus fehlen Belege dazu.
Im Werdener Urbar von 1150 wird ein „Holthuson“ zwischen Schwerte und Garenfeld erwähnt, das gem. Reininghaus das heutige Holzen bezeichnet.
Gut Steinhausen
Das älteste Gut ist Haus Steinhausen. Es umfasste (wann?) rund 2500 Morgen [1] an Waldungen, Äckern und Wiesen.
Archäologische Funde weisen auf einen ersten mittelalterlichen Wohnplatz hin, der bereits seit dem 9. Jahrhundert existierte und anscheinend im 13. Jahrhundert durch einen Steinbau befestigt wurde. Gem. Schmidt war das Gut Steinhausen im Mittelalter eine durch breite Wassergräben geschützte Raubritterburg. Die Gräben sind noch heute zum Teil zu sehen.
Das Gut war meist im Besitz adeliger Großgrundbesitzer wie des Freiherrn von Hövel zu Sölde und Haus Ruhr oder des Grafen von Fürstenberg-Hedringen zu Neheim an der Ruhr oder in kirchlichem bzw. klösterlichem Besitz. Der Eichenwald auf dem Südhang des Ardeygebirges gehörte zum Teil der Gemeinde Wandhofen.
Im Jahre 1480 kauften Jan Nagel und seine Frau Elisabeth von Wandhoff das Gut Steinhausen. Einer ihrer Nachfahren ließ im Jahre 1677 das baufällig gewordene Burghaus abreißen und das bis heute erhaltene Wohnhaus neu errichten. Durch Heirat ging um das Jahr 1730 das Rittergut in den Besitz der Familie Mengede zu Westönnen über. Die Familie errichtete den Wehrturm, der ebenfalls bis heute zu sehen ist. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte Steinhausen mehrfach den Besitzer und ist heute in Privatbesitz. Die Gebäude sind teils wieder hergerichtet, wurden jedoch in letzter Zeit Opfer zweier Brände.
Weitere Entwicklung
Friedrich (II.) von Isenberg hat 1226 auch die Vogtei über die westfälischen Güter des Klosters Werden in Lüdinghausen, Eichholt, Nordkirchen, Selm und Werne innegehabt. Nach der Ächtung des Grafen erhält das Ruhrkloster in einem Privileg König Heinrichs (VII.) (regierte 1222–1235) vom 19.02.1226 die Vogteirechte an diesen fünf Höfen. Gilt das auch für Holzen bzw. Steinhausen?
1563 gab es in Holzen an Reichsgut 3 Doppelhufen und 10 einfache Hufen.[2]
Im Osten Holzens lag das damals den Brüdern Voss aus Aplerbeck gehörende, heute noch im Besitz eines Schulte-Drüfel stehende Drüffelgut.
20. Jahrhundert
Autobahnbau
Für die hier Ruhrtangente genannte A 1 waren in den 1930er Jahren nördlich von Hagen, Rodungs- und Erdarbeiten bereits im Gange, jedoch wurden die Bauarbeiten mit Kriegsausbruch eingestellt. Ab 1951 wurde zwischen Kamen und Leverkusen an der Fertigstellung dieser Strecke gearbeitet. 1961 wurde die Strecke Hagen–Unna in Betrieb genommen.
Intern war die Strecke Puttgarden–Hamburg–Bremen–Dortmund–Köln zunächst als Autobahn 11 bezeichnet worden. Ab 1. Januar 1975 wurde sie zur Bundesautobahn 1.
Die A 45 „Sauerlandlinie“ wurde in den 1960er Jahren die erste nach dem Zweiten Weltkrieg neu gebaute Autobahnstrecke, die nicht auf Reichsautobahn-Planungen zurückging.
Mit dem Bau des Sauerlandlinie wurde Anfang der 1960er Jahre begonnen. Der erste kurze Abschnitt, ein 4 km langer Teil zwischen dem Westhofener Kreuz und der Anschlussstelle Dortmund-Süd mit dem Westhofener Kreuz, konnte schon 1963 fertiggestellt werden.
1963 begann der aufwändige Bau der Gebirgsstrecke von Hagen nach Lüdenscheid. Die für Ende 1967 in Aussicht genommene Eröffnung verzögerte sich um ein paar Monate, da die Rahmedetalbrücke erst im Oktober fertiggestellt wurde und der Winter die Arbeiten unterbrach. Der Abschnitt zwischen dem Kreuz Hagen und der Anschlussstelle Lüdenscheid wurde schließlich am 24. Oktober 1968 dem Verkehr übergeben.
Siedlungserweiterungen
Kommunale Neuordnung 1975
Am 01.01.1975 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Holzen entlang der Autobahn A 1 aufgeteilt: Der Südosten wurde nach Schwerte eingemeindet, der Nordwesten nach Dortmund.
1987 hatte der Schwerter Ortsteil Holzen 3826 Einwohner, der Dortmunder 8670.
Lage
Holzen liegt zwischen Schwerte und Dortmund. Im Süden fließt der Wannebach, im Osten der Steinbach und quer durch Holzen der Krumme Peter, der in den Wannebach mündet. Als Ortsmittelpunkt gilt die Kreuzung Kreisstraße/Heideweg.
Verkehrsanbindung
An diesem Zentrum halten auch Buslinien nach Hörde (432, E441, E442, NE5) und nach Schwerte (C31, T31).
Über die Wittbräucker Straße erreicht man die A 45 und über den Krinkelweg die A 1. Im Süden befindet sich das Westhofener Kreuz.
Struktur
Der Wohnraum im Zentrum setzt sich aus unterschiedlichen Wohnhaustypen zusammen. Auf dem Sommerberg gibt Einfamilienhäuser.
Wannebachtal und im Schwerter Wald dienen der Naherholung.
Zwei Supermärkte befinden sich im Zentrum, außerdem eine Apotheke, viele kleine Geschäfte sowie Imbissbuden und gehobene Restaurants.
An der Kreisstraße befindet sich der Friedhof mit Friedensmahnmal und einer als Weinberg gestaltete Anlage zur „Bestattung unter Reben“.
Das bisher ebenfalls an der Kreisstraße gelegene Ehrenmal des Kyffhäuserbundes für die Opfer des Ersten Weltkriegs von 1928 musste im Mai 2025 abgebaut werden und harrt seiner Wiedererrichtung an anderer Stelle.
Einzige Schule ist die Eintracht-Grundschule. Außerdem gibt es zwei Jugendfreizeit- und zwei Kindertagesstätten sowie eine Seniorenbegegnungsstätte.
Regelmäßige Veranstaltungen
- Tag der offenen Tür bei der Löschgruppe der Freiwilligen Feuerwehr
- Weiberfastnacht
- Maikranz- und Frühlingsfest
- Kartoffelfest
- St.-Martins-Zug
Ausflüge
- Die Interessengemeinschaft Holzen und andere Vereine bieten Führungen durch den historischen Stadtteil an.
- Ortsheimatpfleger Ferdinand Ziese bietet verschiedene Führungen und Vorträge an.
Sportvereine
Quellen
- Max Schmidt: Die Schulen von Holzen 1809 bis 1909 (1906)
- Jean-Pierre Fellmer: Holzen - uralt, historisch, grün, in: Dorstener Zeitung, STADTTEIL-SERIE / FOLGE 72 vom 31.07.2015
- Ferdinand Ziese: Eine Zeitreise durch die Geschichte, in: SGV Abt. Dortmund-Holzen: Veranstaltungsplan 2. Hj. 2019
- Reininghaus, Nordrhein-westfälisches Staatsarchiv Münster: Mitteilung an Ortsheimatpfleger Ferdinand Ziese vom 11.03.1999.