Ralfs Rubrik

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„Küer mi käinen Düllen an'n Kopp"
Wie der alte Westfale Erkältungskrankheiten besiegte

von Ralf Konecki

In den zahlreichen Vorträgen, den Mitmachveranstaltungen „Zwei Stunden Zeit", beim Plattdeutschen Sprach- und Heimatkunde-Unterricht, zuletzt auch bei den Kräuterführungen war es zunächst die reine Neugier, mehr über das alte Westfalen zwischen Lippe und Ruhr zu erfahren. Es hat sich jedoch heraus gestellt, dass mit dem erworbenen Wissen über die frühe Volksmedizin und über die Ernährungs- und Lebensweise der alten Westfalen auch eine wirkungsvolle Handhabe für die Überwindung von saisonal auftretenden Erkältungskrankheiten gegeben war. „Um gesund älter zu werden," schreibt der Archäologe Remko Kuipers, „sollten wir uns auf unsere steinzeitlichen Wurzeln besinnen – körperliche Bewegung an der frischen Luft bis hin zur paläolithischen [steinzeitlichen] Ernährung."[1] Dazu gehörte auf dem Speiseplan vorrangig Obst (alte Züchtungen) und Gemüse und weniger Fleisch von Tieren aus Stallhaltung. Die Kräuter Brennessel, Fenchel, Sauerampfer und Weißer Gänsefuß wurden schon vor 5.000 Jahren in Westfalen genutzt.

Zum Gesundsein gehört auch ein fröhliches Gemüt, denn andauernde Angst- und Schreckensbilder sind für die Abwehrkräfte eines jeden Menschen schädlich. Zu den täglichen Horrormeldungen in den Nachrichten hätte der alte Westfalen vielleicht gesagt: „Küer mi käinen Düllen an'n Kopp." (Rede mir keine Beule an den Kopf.) In Westfalen gibt es den „Niëgen-Krüter-Pannkauken“ (Neun-Kräuter-Pfannkuchen) und andere vitaminreiche Gerichte, die das Immunsystem so stärken können, dass man gesund durch die kalte Jahreszeit kommen kann. Und wenn der alte Westfale einmal verschnupft war, hatte er natürlich nicht zwischen Bakterien und Viren unterscheiden können. Er verließ sich ganz auf die bewährten Hausrezepte, die seit Generationen in den Familien überliefert waren wie z. B. dieses:

„Kamillendampf hilft jederzeit
bei Schnupfen und bei Heiserkeit;
Liegts du im Fieber matt und heiß,
trink Fliedertee, dann rinnt der Schweiß.
Die Lindenblüt' hat gleiches Wesen:
Schwitz Gifte aus, du wirst genesen!“[2]

Allseits bekannt dürfte noch der westfälische Spruch sein: „Wat uëse Buer nit kennt, dat friët hä nit." (Was unser Bauer nicht kennt, das ißt er nicht.) Und das, was der alte Westfale seinem besten Freund wünscht, bleibt für den Jahreswechsel 2020-21 leider nur ein Wunschdenken:

„Von Hiätten wünsk ick di dat Beste,
dat Hus vull leiwe nette Gäste,
de düftig drinkt un snabbeleert,
de quieket, äs de Swiene geert,
de nich mähr fast un siecker staoht.
Du büs dann glücklich, wenn se gaoht,
un büs nao all den Suus un Bruus
äs wier so rächt bi di to Hus."[3]

(Hiätten = Herzen; leiwe = liebe; düftig = tüchtig; geert = grunzen; rächt = richtig)

  1. Remko Kuipers: Die gesundheitlichen Folgen der Zivilisation, in: Thomas Otten/Jürgen Kunow/Michael M. Rind/Marcus Trier (Hrsg.): Revolution Jungsteinzeit, Bonn/Herne/Detmold 2015 (Begleitkatalog zur Ausstellung), S. 185-87
  2. Wolfgang Paquin: 1959, Wettstreit der Pflanzen, S. 15
  3. Rainer Schepper: Ick wünsk di wat von düt un dat ..., Rheda-Wiedenbrück, 1984, S. 17
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Guëtt gaohn!

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