Eichlinghofen

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Wappen von Eichlinghofen. Letzes Vorkommen war im Jahr 1462[1]

Geschichte

Im Jahre 810 wird der Ort erstmals erwähnt, an dem sich vermutlich eine sächsische Kultstätte befand, die wie viele andere unter Karl dem Großen zu einem christlichen Versammlungsort umgewidmet werden sollte.[2]

Die 927 oder 928 erwähnte "villa Enchova" war wohl nicht Eichlinghofen, wie Niemeyer[3] meint, sondern ein Gebiet an der Brücke über die Emscher in Höhe der heutigen Ardeystraße.[4]

Um 1220 werden in der Großen Vogteirolle (Limburger Rolle) Graf Friedrichs von Isenberg unter den Gütern und Zinspflichtigen zwei zum Stift Essen gehörende Höfe in Eichlinghofen aufgeführt.[4]

Im zweiten Viertel des 13. Jh. soll die Kirche St. Margareta (nicht zu verwechseln mit der Margarethenkapelle in Barop) erbaut worden sein; urkundlich wurde sie zuerst 1375 erwähnt. Die kleine zweijochige Hallenkirche repräsentiert eine der ersten Entwicklungsstufen des Hallenkirchbaus in Westfalen und ist damit ein kunsthistorisch einzigartiges Beispiel für den Übergang von der einräumigen Saalkirche zur dreischiffigen Hallenkirche.[5]

1302 wird Eichlinghofen als Gerichtssitz erwähnt, der zwischen 1340 und 1352 nach Hörde verlegt wurde.

Bis zum Ende des 14. Jh. bewohnte das Rittergeschlecht der Herren von Eickelinchoven (Eichlinghofen) ein Gut, das nördlich des Dorfes etwa in Höhe der heutigen Universitätsstraße vermutet wird.[4]

Die Kirche St. Margareta gehörte ins Dortmunder Reinoldi-Kirchspiel. Patronatsherren waren im 14. Jahrhundert die Grafen von der Mark, später die Herzöge von Kleve [W 8685, Bd. 1, 32, 37; W 10231, 70; Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Neubearbeitung; Bd. 2: Westfalen, S. 136].

Die Einführung der lutherischen Lehre geschah in Eichlinghofen wahrscheinlich parallel zu der „verspäteten“ Reformation in Dortmund. Der 1591 in Eichlinghofen bezeugte Pastor Georg Westhoff war wohl schon evangelisch. Erster ausgewiesen protestantischer Pfarrer war von 1592 bis 1604 ein Pastor Wegmann [W 10231, 69]. Bis zur Reformation wurde das eine Stunde von Dortmund entfernte Eichlinghofen von einem Vikar bedient. Diesen unterhielt der Superior zu Reinoldi, so dass Eichlinghofer Kirchenrenten nach Dortmund gezogen wurden. Diese Art Bedienung hat nach der Reformation ein Ende gefunden. Damals hätten auch die entzogenen Renten zurückgegeben werden müssen; sie wurden allerdings weiterhin von den Dortmunder Pfarrern genossen. Die Einkünfte des Pfarrers in Eichlinghofen betrugen nur drei Scheffel Korn, 4 Taler und 1,5 Stüber jährliche Pension [LkA EKvW 3.37 Nr. 95].

Die Trennung von Dortmund-Reinoldi erfolgte 1603, als Hermann Ludovici als Pastor in Eichlinghofen sein Amt antrat. Allerdings wurde den Einwohnern erst 1655 durch Kurfürst Friedrich Wilhelm nachdrücklich untersagt, sich zur Verrichtung der pfarramtlichen Handlungen an den Reinoldipfarrer zu wenden und diesem die Stolgebühren zu entrichten [vgl. W 10231, 68]. Jedoch behielt der Reinoldi-Pastor weiterhin das 1617 vom Landesherrn übernommene Kollationsrecht für die Eichlinghofer Pfarrstelle und übte dieses Recht „verus et indubitatus“ bis 1737 aus, als es bei der Berufung des von der Gemeinde zum Pfarrer gewählten Georg Friedrich zum Kumpff letztmalig zur Anwendung kam. Zum Kirchspiel Eichlinghofen, das Vorlage:Xxx eines der Ämter in der Grafschaft Mark war, gehörten die Dörfer Eichlinghofen, Menglinghausen, Salingen und Persebeck [B 1965, 34].

Aus den Anfängen des 18. Jh. stammt die Orgel, von der nach der Restaurierung noch 195 Pfeifen vorhanden sind.

In die lange, seit 1781 andauernde Amtszeit von Pfarrer Daniel Klemp fiel u.a. die Erörterung liturgischer Fragen im Zusammenhang mit der Einführung der Berliner Agende. Es war aber auch das Zeitalter der Napoleonischen Kriege, nach deren Ende bei Rückkehr der Landwehr und anlässlich der Huldigungsfeiern für Friedrich Wilhelm III. auch in Eichlinghofen, am 10.03.1816, ein Gedenktag für die Gefallenen abgehalten wurde [Jürgen Kampmann: Die Einführung der Berliner Agende in Westfalen : Die Neuordnung des evangelischen Gottesdienstes 1813 – 1835, S. 77, 382]. Bereits 1821 fand sich der alte Pfarrer Klemp bereit, im Falle der kirchlichen Zusammenlegung von Barop und Eichlinghofen gegen eine „mäßige Pension“ sein Amt niederzulegen [LkA EKvW 3.37 Nr. 95]. Aber erst 1828 sollte er aus Altersgründen emeritiert werden. Da die von ihm erbetene Pension vom Landrat als „exorbitante Forderung“ abgelehnt wurde [LkA EKvW 3.37 Nr. 18], musste die Pfarrstelle wegen der Differenzen über die Pensionsbezüge im folgenden Jahrfünft vom Baroper Pfarrer Schütte gegen Vergütung aus dem Pfarrgehalt verwaltet werden. Zugleich wurde die Gemeinde von der Regierung veranlasst, für Pfarrer Klemp eine gewisse Pension aus freiwilligen Beiträgen aufzubringen. Erst im September 1833 genehmigte das Geistliche Ministerium die Neubesetzung des Pfarramtes.

Bereits von Steinen wies in seiner „Westphälischen Geschichte“ 1760 auf die trefflichen Steinkohlenberge in Eichlinghofen hin [W 803]. Damals gab es allerdings nur kleine „Pütts“, in denen die Bauern und Kötter hauptsächlich für den Eigenbedarf nach der flach unter der Erde liegenden Kohle gruben. Erst als 1857 östlich von Eichlinghofen die später Henriette genannte Zeche Potsdam einen Tiefbau-Zechenbetrieb abteufte, hielt das Industriezeitalter Einzug in Eichlinghofen. Nachdem die Zeche Henriette 1872 stillgelegt werden musste, übernahm die Zeche Kaiser Friedrich in Menglinghausen den Abbau der Grubenfelder. In der Blütezeit des heimischen Bergbaus verdoppelte sich die Zahl der Beschäftigten auf der Zeche Kaiser Friedrich zwischen 1900 und 1913 nahezu. Die meisten Zuwanderer, die bis zum Ersten Weltkrieg nach Eichlinghofen kamen, stammten aus dem Ravensberger Land; erst nach 1918 kamen in größerer Zahl Menschen von außerhalb Westfalens hinzu. 1925 fiel das Bergwerk Kaiser Friedrich dem großen Zechensterben im Dortmunder Süden zum Opfer und wurde stillgelegt. Allein die Kokerei blieb bis 1930 in Betrieb. Auch nach 1945 entstanden nur zwei Kleinstzechen, die in dem einst so bedeutsamen Bergbaugebiet nördlich des Ardey wieder Kohlen förderten [www.eichlinghofen-online.de; W 9374, 411f.].

Zur Einweihung des Querschiffs 1899 stiftete Kaiserin Auguste Viktoria eine Kirchenbibel mit Widmung, die noch heute auf dem Altar liegt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren auch in der Gemeinde Eichlinghofen die Folgen der verbreiteten Austrittsbewegung aus der Landeskirche spürbar. Verantwortlich machte man dafür insbesondere sozialdemokratische und freireligiöse Kreise (v.a. aus Essen). „In der Öffentlichkeit ist die Vorherrschaft der Sozialdemokratie so stark und der Terrorismus, den dieselbe ausübt, so arg“ [LkA EKvW 3.37 Nr. 95]. Nach Aufhebung der Sozialistengesetze 1890 hatte sich Dortmund in kurzer Zeit zu einer sozialdemokratischen „Hochburg“ entwickelt [W 9374, 299-302]; Arbeiterdemonstrationen fanden um die Jahrhundertwende in Dortmund-Süd statt, die gewaltsam aufgelöst wurden. Die Kirchengemeinde Eichlinghofen strebte zur Entschärfung der sozialen Konfliktlage eine Verbesserung der „Pastorisierung“ an und begegnete der unzureichenden seelsorgerlichen Betreuung ihrer Streusiedlung seit 1908/10 mit dem Einsatz eines ordinierten Hilfspredigers für die eingepfarrten Orte Menglinghausen, Salingen und Persebeck mit Sitz in Menglinghausen. Man reagierte aber auch unorthodox: Bereits im Jahre 1375 wird die Kirche als Betreiberin einer Schankwirtschaft erwähnt. Diese Tradition griff man in Eichlinghofen um 1900 wieder auf, was nicht zuletzt deshalb geschah, um die evangelischen Bergleute aus jenen Kneipen fernzuhalten, in denen sozialdemokratische Bergarbeiter gegen Kaiser Wilhelm II., zugleich Oberster Bischof der evangelischen Kirche, agitierten. Der Ortspfarrer vertrat die Auffassung, dass die evangelischen Berg- und Stahlarbeiter in Ruhe ihr – von der evangelisch geführten Kronenbrauerei geliefertes – „Evangelisches Bier“ trinken sollten [W 10231, 64].

Nachdem die Kirche 1925 ausgemalt werden konnte, wurden in den Jahren 1951 bis 1954 zahlreiche Vorarbeiten an der Kirche vorgenommen, die man in den Jahren danach gründlich zu renovieren beabsichtigte. Da der Kindergarten seit seinem Bestehen behelfsmäßig in einem Saal des von der Pfarrerwitwe Maria Niemeyer im Jahre 1919 der Kirchengemeinde geschenkten Evangelischen Vereinshauses (Baujahr 1905) untergebracht war und sich diesen Raum mit anderen kirchlichen und nichtkirchlichen Gruppen teilen musste, beantragte die Kirchengemeinde 1961 den Neubau eines funktionellen Kindergartens.

In Menglinghausen, wohin man die zum 01.09.1961 errichtete 2. Pfarrstelle der Kirchengemeinde überwies [KA 1961, 117], strebte man Mitte der 1960er Jahre den Bau eines Gemeindezentrums an. Hierzu sollten ein Pfarrhaus und ein Gemeindehaus gehören, das als Weiterentwicklung der verbreiteten Pavillonkirchbauten geplant war. Am 19.11.1967 konnte das am Rüggen neu erbaute Gemeindezentrum im Bezirk Menglinghausen („Paul-Schneider-Haus“) eingeweiht werden (1992 Umgestaltung des Gottesdienstraumes).

Anschließende Pläne zur Errichtung eines Pavillons im Gemeindebezirk Persebeck-Kruckel, für den die Landeskirche jahrelang umfangreiche finanzielle Beihilfen bereithielt, wurden nicht realisiert [LkA EKvW 2 neu Nr. 6524-6525].

Anfang des 21. Jahrhunderts zwang der dramatische Einbruch der Kirchensteuereinnahmen auch die Kirchengemeinde Eichlinghofen zu Einsparungen und sichtbaren Veränderungen am kirchlichen Baubestand. Zur Disposition stand weniger das Haus der Begegnung an der Kirche als vielmehr das Paul-Schneider-Haus sowie das alte, 1992 umgebaute und erweiterte Gemeindehaus an der Persebecker Straße. Das Gemeindeleben sollte künftig in Eichlinghofen konzentriert werden [www.eichlinghofen-online.de; Gemeindebrief, März 2005, 33]. Zum 01.01.2008 (2007?) vereinigte sich Eichlinghofen mit den Kirchengemeinden Barop und Hombruch zur Evangelischen Kirchengemeinde Dortmund-Südwest (Bekenntnisstand: evangelisch-uniert; Lutherischer Katechismus). Unter deren sechs Pfarrstellen wurden die beiden Eichlinghofer Pfarrstelle zur 3. und 4. Pfarrstelle [KA 2007, 199].

Das Gericht zu Eichlinghofen

Hauptartikel: Gericht zu Eichlinghofen

Bevölkerungsentwicklung

Hauptartikel: Bevölkerungsentwicklung

Weblinks

Literatur



  1. Wappenbuch des Westfälischen Adels, Tafel 109
  2. Kirchenführerin Petra Schulz gem. RuhrNachrichten vom 16.02.2017
  3. wohl Friedrich Niemeyer, 1917 Kreisschulinspektor und Pfarrer in Eichlinghofen (LWL-Portal Westfälische Geschichte, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz wg. Vorname)
  4. 4,0 4,1 4,2 Walter Gronemann: Kleine Geschichte der Ämter Barop und Kirchhörde, Lensingdruck, Dortmund 1987, S. 34
  5. Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler