17. September 1941

Aus Westmärker Wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Kapitel-Finder

Kalendernavigation ab 1940 1941-05.jpg

Editorial 1938 1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945 1946 1947 1948 1949 Gefangenschaft Epilog Anhang

Chronik 40–45

Januar Februar März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember Eine Art Bilanz Gedankensplitter und Betrachtungen Personen Orte Abkürzungen Stichwort-Index Organigramme Literatur Galerie:Fotos,Karten,Dokumente

Chronik 45–49

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31.

Erfahrungen i.d.Gefangenschaft Bemerkungen z.russ.Mentalität Träume i.d.Gefangenschaft

Personen-Index Namen,Anschriften Personal I.R.477 1940–44 Übersichtskarte (Orte,Wege) Orts-Index Vormarsch-Weg Mil.Rangordnung 257.Inf.Div. MG-Komp.eines Inf.Batl. Kgf.-Lagerorganisation Kriegstagebücher Allgemeines Zu einzelnen Zeitabschnitten Linkliste Rotkreuzkarte Originalmanuskript Briefe von Kompanie-Angehörigen

Gb.png
GEO & MIL INFO
17. Sula-Übergang Galizkoje~Matwejewka[1] Karte — map
18. Erkundung –Perwmaiskoje[2]
19. Vormarsch –Sagorodischtsche/Malyi Irklejeff[3]
20. Erkundung –Krapiwna–Wosnessensk[4]
21. Verkehrsregelung Paljmira–Melessowka oder Mechedowka–Bjeloussowka[5]
23. (evtl. auch 22.) Ruhetag, Masse der Div in Tscherneschtschina[6]
Karte — map
GenMaj Anger (Arko 110) vertritt Sachs[7]
ab 22. oder 23.[8] wieder 17. A.
17.: Sachs vertritt verwundeten von Kortzfleisch
18.: neuer KG: NN[9]

••• S. 42: Haupttext fortgesetzt •••Wir wenden uns jetzt nach Norden, also flussaufwärts. Nach kurzem Marsch erreichen wir den Sula[10], einen östlichen Nebenfluss des Dnjepr. Hier waren unsere Einheiten überraschend auf äußerst erbitterten Widerstand gestoßen. Unsere Angriffstruppen hatten den Fluss zwar an einer sehr schmalen Stelle überschritten, mussten aber feststellen, dass sie auf einer Insel gelandet waren.[11] Nun musste der schwierige Angriff über den anderen Flussarm wiederholt werden. Er gelang zwar, kostete aber schwere Verluste. Als wir den Fluss erreichen, bringen Sturmboote und Fähren unsere Verwundeten zurück, während Pioniere dabei sind, eine Brücke zu bauen. Sie ist fast fertig, und dann werden wir hier die Verkehrsregelung übernehmen.

Gerade kommt wieder eine Fähre mit Verwundeten an. Der erste wird von zwei Sanitätern zu den am Ufer bereit stehenden Sankras geführt. Ich erkenne in ihm den Gefreiten Fischer, Richtschütze an einem meiner MGs. Er hat einen schweren Oberschenkeldurchschuss, ist bleich und lächelt matt. Ich gehe bis zum Sankra mit und verabschiede mich. Den nächsten Verwundeten bringen die Sanis (Sanitäter) auf einer Bahre und schieben ihn in den Wagen. Ich beuge mich über sein Gesicht. Es ist ein Leutnant, der in Jasło noch Oberfeldwebel war. Er hat einen gefährlichen Halsschuss. ••• S. 43 •••Er kann kaum sprechen. Als ich ihn etwas fragen will, zeigt er auf seinen Hals und winkt erschöpft ab. Er ist im Lazarett gestorben.

Auch mein alter Kamerad Feldwebel Lehmann ist heute gefallen. Morgens hatte er noch zu seinen Kameraden gesagt: „Heute drehe ich ein Ding!“. Beim Angriff war er dann seinen Kameraden immer vorausgestürmt, bis seine Männer ihn in dem unübersichtlichen Gelände aus den Augen verloren. So hatte er es auch in Jasło schon immer gemacht. Ich sehe ihn heute noch bei den Geländeübungen wie ein Wiesel weit vor seinem Zug herlaufen, dass die Gewehre Mühe hatten, ihm zu folgen. So hatte er es auch heute wieder getan. Er war ein Draufgänger. Er fiel im Glauben an Deutschland. Ich mochte ihn gern.

Wir marschieren durch ein Dorf, in dem große Aufregung herrscht. Eine kurz vor uns hier durchmarschierende Infanterie-Kompanie war aus einer kleinen Scheune beschossen worden. Ein Deutscher war dabei gefallen. Der Speicher war sofort umstellt und nach kurzem Feuergefecht in Brand gesteckt worden. Dabei verbrannten zwei Rotarmisten, die sich hier versteckt und auf die durchziehende Kolonne geschossen hatten.

Immer häufiger werden die Fälle heimtückischer, hinterhältiger, unmenschlicher und völkerrechtswidriger Kampfmethoden der Sowjets. In drei Punkten sind uns die Russen zweifellos überlegen: In Tarnung, Täuschung und Tücke. Größere Naturverbundenheit und unverbildeter Instinkt geben ihnen einen sicheren Blick für die Anlage verdeckter Stellungen, die sie mit einer in Farbe und Form passenden Tarnung aus dem Material der Umgebung verbergen. Dabei greifen sie oft zu Mitteln, auf die wir bei der unserem westlichen Kulturverständnis eigenen Pietät und Humanität gar nicht kommen würden. Sie errichten z. B. B-Stellen (Beobachtungsstellen, vorgeschobene Beobachter) auf Friedhöfen, indem sie Gräber aushöhlen und das Scherenfernrohr in den Grabstein einbauen. Oder sie verminen bei ihren Rückzügen die Häuser, so dass unsere Soldaten beim Öffnen der Türen oder Anheizen der Öfen in die Luft fliegen. Den Tod seiner russischen Landsleute nimmt er dabei in Kauf. Die bedenkenlose Verschwendung von Menschenleben war schon immer typisch für die russische Kampfesweise in allen ihren Kriegen. Und die grausame Ermordung gefangener Deutscher passt durchaus in das Bild seiner Mentalität. Nein, die Rote Armee kämpft unfair, unmenschlich und verbrecherisch. Wohl habe ich auch immer wieder Beispiele einer anständigen Gesinnung bei russischen Offizieren und Soldaten erlebt, aber das bleiben leider Ausnahmen in der Unzahl von Brutalitäten. Die zweifellos asiatisch beeinflusste Mentalität des Russen ist grundverschieden von unserer westlichen Denkweise und Moralauffassung. Es sind Welten, die uns trennen. Als die „Goldene Horde“ Dschingis Khans[12] im 13. Jahrhundert große Teile des europäischen Russland besetzt hatte, riss die Verbindung zum Westen ab. Während bei uns das Rittertum blühte und seine Tugenden gepflegt wurden, verfiel in Russland die Kultur unter der grausamen Despotie der Mongolenherrschaft. Die russische Geschichte kennt kein Rittertum, und daher ist Ritterlichkeit dem Russen wesensfremd. Er kann sehr gutmütig sein, aber ritterlich und großmütig ist er nicht. Das beweist sein Verhalten gegenüber dem besiegten Feind. Er demütigt und vernichtet ihn. Fast 300 Jahre dauerte die Mongolenherrschaft, und in dieser Zeit sind sicherlich manche asiatische Elemente in das russische Wesen eingegangen. Auch in der Sprache zeigen sich noch Spuren der damaligen Unterdrücker (z. B. in einem besonders widerlichen Fluch (Ljub twoju match)[13], den man häufig hört.)[14]••• S. 43: Haupttext unterbrochen •••


— nächstes Datum — next date →

Editorial 1938 1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945 1946 1947 1948 1949 Gefangenschaft Epilog Anhang

Januar Februar März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember Eine Art Bilanz Gedankensplitter und Betrachtungen Personen Orte Abkürzungen Stichwort-Index Organigramme Literatur Galerie:Fotos,Karten,Dokumente

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31.

Erfahrungen i.d.Gefangenschaft Bemerkungen z.russ.Mentalität Träume i.d.Gefangenschaft

Personen-Index Namen,Anschriften Personal I.R.477 1940–44 Übersichtskarte (Orte,Wege) Orts-Index Vormarsch-Weg Mil.Rangordnung 257.Inf.Div. MG-Komp.eines Inf.Batl. Kgf.-Lagerorganisation Kriegstagebücher Allgemeines Zu einzelnen Zeitabschnitten Linkliste Rotkreuzkarte Originalmanuskript Briefe von Kompanie-Angehörigen

  1. KTB 257. I.D., NARA T-315 Roll 1803 Frame 000837, Benary S. 52
  2. KTB 257. I.D. Frame 000846
  3. KTB 257. I.D., NARA T-315 Roll 1803 Frame 000846/54, Roll 1804 Frame 000302
  4. KTB 257. I.D., NARA T-315 Roll 1803 Frame 000853
  5. KTB 257. I.D., NARA T-315 Roll 1803 Frame 000863/64
  6. KTB 257. I.D., NARA T-315 Roll 1803 Frame 000869
  7. Vertretungen gem. KTB 257. I.D., NARA T-315 Roll 1803 Frame 000841/46 und Roll 1804 Frame 000300
  8. Unterstellungswechsel am 22. (im Tagebuch des Ic erst am 23. vermerkt, KTB 257. I.D., NARA T-315 Roll 1804 Frame 000304), 23. (Divisionsbefehl, KTB 257. I.D., NARA T-315 Roll 1803 Frame 000885) oder 24.09.1941 (KTB OKW 1940–1941 S. 657 f., dieses immer ein Tag später)
  9. ohne Namensnennung in KTB 257. I.D., NARA T-315 Roll 1804 Frame Frame 000301; die Korpsbefehle der folgenden Tage wurden vom Chef des Generalstabes (z. B. KTB 257. I.D., NARA T-315 Roll 1803 Frame 000860), vom Ia (z. B. 000844) oder auch gar nicht (z. B. 000877) unterzeichnet!
  10. am 17. bei Galizkoje (KTB 257. I.D. Frame 000837, Benary S. 52)
  11. Benary S. 55
  12. Nicht Dschingis Khan, sondern sein Enkel führte die Goldene Horde an.
  13. eigentlich „job twoju mat“ (ёб твою мать), gleichbedeutend mit “motherfucker”
  14. Der im Original hier anschließenden Absatz über Graditschsk wurde unter dem zutreffenen Datum 14.9.41 gespeichert.