21. August 1941

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Editorial 1938 1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945 1946 1947 1948 1949 Gefangenschaft Epilog Anhang

Chronik 40–45

Januar Februar März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember Eine Art Bilanz Gedankensplitter und Betrachtungen Personen Orte Abkürzungen Stichwort-Index Organigramme Literatur Galerie:Fotos,Karten,Dokumente

Chronik 45–49

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31.

Erfahrungen i.d.Gefangenschaft Bemerkungen z.russ.Mentalität Träume i.d.Gefangenschaft

Personen-Index Namen,Anschriften Personal I.R.477 1940–44 Übersichtskarte (Orte,Wege) Orts-Index Vormarsch-Weg Mil.Rangordnung 257.Inf.Div. MG-Komp.eines Inf.Batl. Kgf.-Lagerorganisation Kriegstagebücher Allgemeines Zu einzelnen Zeitabschnitten Linkliste Rotkreuzkarte Originalmanuskript Briefe von Kompanie-Angehörigen

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GEO & MIL INFO
Rewowka bei Krementschuk Karte — map Karte — map
XI. A.K.[1]
KG: Gen d Inf von KortzfleischWP

Der Dnjepr ist erreicht. Unser jetziges Kommando besteht wieder aus einem Leutnant und zwei Feldwebeln, aber anderen Kameraden. Wir liegen in einem Dorf[2] auf der Westseite des breiten Stromes etwa gegenüber Krementschuk, aber etwas südlicher. Es ist ein stilles, langgestrecktes Dorf mit sauberen Holzhäuschen und Gärten. Außer uns ist kein einziger deutscher Soldat hier. Wir suchen uns ein passendes Quartier mitten im Dorf. Da wir nur unseren Wäschebeutel und eine Decke bei uns haben, brauchen wir nicht viel Platz außer einem Bett für die Nacht. Das finden wir dann auch in einem Drei-Mäderl-Haus[3]. Ich habe jedenfalls außer zwei älteren Frauen immer nur drei Mädchen gesehen. Die haben uns mittags auch immer mit einem friedensmäßigen Borschtsch bewirtet, einer dicken Gemüsesuppe mit Fleischeinlage. Gegen Abend fuhr der Leutnant dann immer ins „Hauptquartier“ zurück, und wir beiden Feldwebel blieben allein im Dorf. Ich übernehme die erste Wache und setze mich auf die Bank, die vor dem Haus im Vorgarten steht. Es ist noch hell. Mein Kamerad sitzt in der Stube am Fenster und plaudert mit einem der Mädchen. Nach meiner Ablösung gehe ich ins Haus und lege mich ins Bett, ein Metallbett mit sauberem, weiß bezogenen Bettzeug. Das große Federkopfkissen hat ebenfalls einen weißen, bestickten Bezug. All dies ist nicht so ganz selbstverständlich, denn wir haben schon unglaublich primitive Katen und Dörfer gesehen. Aber in der Nähe großer Städte sind auch die Dörfer etwas komfortabler ausgestattet. Meine zweite Wache beginnt. Es ist zwei Uhr nachts. Ich sitze wieder auf der Bank am Holzzaun des Vorgartens und lausche in die friedliche Stille des schlafenden Dorfes. Da öffnet sich leise die Haustür. Ich wende mich um und sehe in der Tür das Mädchen stehen, mit dem ich mich schon am Tag etwas angefreundet hatte, als wir gemeinsam mein Bett zum Schlafen vorbereiteten. Da hat uns nur der Leutnant ungewollt etwas gestört. Jetzt konnte sie nicht schlafen und wollte mir die Langeweile der Nachtwache etwas verkürzen.

Schräg gegenüber unserer Unterkunft wohnt eine junge Frau. Sie hat pechschwarzes Haar, ein schmales, feines Gesicht und ist fast klassisch schön. Sie wirkt aber etwas fremdartig, denn sie sieht gar nicht russisch aus. Sie kommt gerade vorbei, als wir uns mit einigen ukrainischen Bäuerinnen unterhalten. Sofort wird sie zum Gesprächsthema. Wir hören, dass sie schon zwei Kinder hat, obgleich sie gar nicht verheiratet ist. Dabei spricht deutliche Missbilligung aus den Worten und der Mimik der Bäuerinnen.

In diesem friedlichen Dorf, das vom Kriegsgeschehen unberührt und völlig unzerstört geblieben war, haben wir drei geruhsame, sommerlich warme Tage verlebt. Es fanden keine Truppenbewegungen mehr statt. Der gewaltige Strom erzwang einen Vormarsch-Stopp.


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Januar Februar März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember Eine Art Bilanz Gedankensplitter und Betrachtungen Personen Orte Abkürzungen Stichwort-Index Organigramme Literatur Galerie:Fotos,Karten,Dokumente

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31.

Erfahrungen i.d.Gefangenschaft Bemerkungen z.russ.Mentalität Träume i.d.Gefangenschaft

Personen-Index Namen,Anschriften Personal I.R.477 1940–44 Übersichtskarte (Orte,Wege) Orts-Index Vormarsch-Weg Mil.Rangordnung 257.Inf.Div. MG-Komp.eines Inf.Batl. Kgf.-Lagerorganisation Kriegstagebücher Allgemeines Zu einzelnen Zeitabschnitten Linkliste Rotkreuzkarte Originalmanuskript Briefe von Kompanie-Angehörigen

  1. Unterstellungswechsel am 21.08.1941 12 Uhr (KTB 257. I.D., NARA T-315 Roll 1803 Frame 000623)
  2. sicher Rewowka, eine wichtige Wegegabelung (KTB 257. I.D., NARA T-315 Roll 1803 Frame 000624), heute vom Krementschuker Stausee überflutet, siehe Karte Russland 1:100.000 Blatt M-36 XIV Ost „Krementschuk“
  3. Der Begriff zitiert die beliebte Operette „Das Dreimäderlhaus“.